Jeden Tag schlafen. Jede Nacht Party. Niemals älter werden. Niemals sterben. Es macht Spaß ein Vampir zu sein.
USA,
1987
ca. 97
Min.
Joel Schumacher
Janice Fischer, James Jeremias, Jeffrey Boam
Jason Patric, Corey Haim, Dianne Wiest, Kiefer Sutherland, Barnard Hughes, Edward Herrmann, Jami Gertz, Corey Feldman, Jamison Newlander, Brooke McCarter, Billy Wirth, Alex Winter
FSK 16
14.01.1988
22.09.1988
11.12.1998
08.09.2008
14.05.1991 (Premiere)
14.05.1991 (Premiere)
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„Tod durch Stereo!“
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Die 80er...
Eine Hölle an modischen Geschmacklosigkeiten...worunter zumeist auch populäre Produktionen aus dem Hause Hollywood zu leiden hatten. Es ist fast schon wie ein Fluch. Sicherlich mag jedes Jahrzehnt so seine visuellen Aussetzer gehabt haben (ich erinnere nur an die 90er: Radlerhose und Gürtelschnalle! Ich war dabei!), aber kaum ein anderes Jahrzehnt ist stellenweise so grausig wie die gottverdammten 80er...
Ähnlich hatte ich es auch beim vorliegendem Werk „The Lost Boys“ in Erinnerung. Irgendwann Anfang der 90er dem großen Bruder aus dem Videoregal geklaut und „heimlich“ geguckt, begeisterten mich damals die „(Stu-Stu-Stu-)Studioline“-Vampire in ihren Ledermänteln ungemein. Viele optische Aussetzer hatte man zu der Zeit natürlich nicht als solche erkannt, da man schließlich noch daran gewöhnt war, aber, zu meiner Überraschung, auch nach über 20 Jahren Existenz, kann der Film beeindrucken...ohne dabei zu ulkig zu wirken. Sicherlich gibt es die ein oder andere Szene, wo man wieder daran erinnert wird, dass es ein 80er-Schinken ist, wie z.B. hier...
...letztlich überwiegt dieses aber nicht zu sehr, was vor allem Herrn Joel Schuhmacher zu verdanken ist, der es zum Glück schaffte, den Spagat zwischen klassischen Horror und damaliger Popkultur zu halten, der inhaltlich ungefähr so aussieht...
Der jugendliche Michael zieht mit seinem kleinen Bruder Sam und seiner frisch-geschiedenen Mutter zu seinem Großvater nach Santa Clara, ein augenscheinlich kleines und verschlafenes Küstenstädtchen. Doch der Schein trügt, denn Santa Clara ist die inoffizielle Hochburg von Mord und Totschlag. Verantwortlich dafür ist eine Brut von Vampiren, die in einer alten Höhle am Strand hausen, gern chinesisch essen und klamotten-technisch „Depeche Mode“ imitieren. Unwissentlich übe ihre wahre Identität freundet Michael sich mit den Vampiren an und verliebt sich sogar in eine Vampirin namens Star. Den Warnungen seines kleinen Bruders, der sich mit den quirligen Frogg-Brüdern anfreundete, selbsternannte Vampir-Jäger und Comicfreaks, zum Trotz, lässt sich Michael in den Bann der Vampire ziehen und verwandelt sich langsam aber sich auch in einen. Mit Hilfe der Frog-Brüder will Sam den Vampiren der gar ausmachen, aber selbst wenn sie alle ausschalten, bleibt Michael ein Vampir. Nur durch das Töten des Ober-Vampirs wird der Fluch von ihm genommen...doch dieser hat sich bereits in der Familie eingenistet...
Die Handlung ist zwar nicht altbacken, aber auch nicht unbedingt revolutionär. „The Lost Boys“ beschränkt sich auf eine simple Grundstory, die mit ein, zwei Subplots ausgeschmückt wird. Der Film möchte auch nicht mehr sein und selbst wenn man die ein oder andere Geschichte noch hätte ausbauen können, so muss ich sagen, dass der Streifen die perfekte Länge hat, um zu überzeugen und nicht zu langweilen. Zum Charme des Films trägt insbesondere auch das Setting bei, welches ungewohnt das typische „No Future!“-Metropolen-Milieu der 80er in die ungewöhnliche Umgebung einer beschaulichen kalifornischen Kleinstadt transportiert und somit persifliert. Generell nimmt der Film sich und das Genre nicht zu ernst und spielt mit dem Vampirgenre. Auch Bezüge zu anderen pop-kulturellen Elementen sind vorhanden, und sei es nur die Bezeichnung „The Lost Boys“ an sich, die zweifelsohne eine Anlehnung an James Matthew Barries´ „verlorene Jungs“ aus dem Kinderbuch „Peter Pan“ ist.
Weiterhin positiv fällt der Cast des Films auf. Auch hier bewies Joel Schuhmacher ein sehr großes Geschick bei der Auswahl seiner Schauspieler. Was den Film besonders aufwertet, sind die von Edward Herrmann und Diane Wiest verkörperten Charaktere, die aufgrund des natürlichen Talents beider Schauspieler über das sonst gewohnte Horror-Niveau hinausgehen. Was man in „Fright Night - Mein Nachbar, der Vampir“ krampfhaft versuchte, schafft Edward Herrman gekonnt umzusetzen, nämlich den biederen, konservativen Kleinstädtler zu mimen, hinter dessen Maske sich das wahre Böse befindet. Ebenfalls der Rest des Cast kann, wie erwähnt, überzeugen, auch wenn ab und zu die Vampire ein bißchen zu überzeichnet wirken. Hier hätte man vielleicht einen Gang zurückschalten sollen.
Als weiterer Bonus besticht der Streifen durch einen sehr guten und sorgfältig zusammengestellten Soundtrack, dessen Hauptaugenmerk in erster Linie auf den Songs liegt und nicht auf dem instrumentalen Score. Einflüße der MTV-Video-Kultur sind zweifelsohne festzustellen, aber auch hier ist es sehr passend gewählt und kann noch heute überzeugen. Somit gehört „The Lost Boys“ meines Erachtens zu den wenigen Filmen der 80er, dessen damals populärer Musikstil durch sorgfältige Auswahl immer noch überzeugt. Eine Eigenschaft, die für mich z.B. nur Filme wie „Ghostbusters“ tragen (ich erinnere an Stücke wie „Savin´ the day“ oder „Magic“, die trotz Synthi-Orgie ungemein zur Atmossphäre des Films beitrugen). Bei „The Lost Boys“ traf man zum Glück die gleiche qualitativ-hochwertige Wahl und somit rundet das den Film zusätzlich ab.
Fatality:
„The Lost Boys“ gehört ohne Frage zu den Klassikern des 80er-Mainstream-Horrors. Er ist streng genommen zwar kein Meilenstein, dennoch schaffte es kaum ein anderer Film die Kultur der 80er mit dem Thema Horror so homogen zu verbinden und gängige Standards und Klischees perfekt zu persilfieren. Dies allein macht den Film schon zu einem Kultobjekt. Und das zurecht. Während man über andere Produktionen aus dieser Dekade heute nur noch den Kopf schütteln kann, weil diese sich nur den damaligen Pop unterwarfen, so versuchte Joel Schuhmacher seinem Film keinen allzu hippen Aufdruck zu verschaffen, sondern klassichen Horror mit damals populären Look zu vermischen. Ohne Frage gibts zwar die ein oder andere Stelle, in der man zum Schmunzeln angeregt wird (und sei es nur bei Kiefer Sutherlands blondierter Kickermatte), letztlich wirkt sich dieses aber nicht zu negativ auf den Gesamteindruck aus.
Ich vergebe für dieses kleine Stückchen Kult-Kino 4 Köppe. Hätten 5 sein können...aber neeeee...der Saxophon-Spieler kann nicht ungeschoren davon kommen...
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