Oliver Tobias, Jeremy Gilley, Oona Kirsch, Cristina Goyanes, Struan Rodger, David Prachar, Jana Svandová, Jan Preucil, Miroslav Táborský, Jan Kanyza, Dagmar Bláhová, Zdenek Podhurský
FSK 16
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03.02.1997
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„Jetzt rasieren wir den Wald!“
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Das Filmcover, schwubbeliges Pre-Photoshop-Gemansche, verspricht dem Filmfan: „Der Kampf um das nackte Überleben auf einem Terror-Planeten“! Als Trashfan ist man zwar wildere Inhaltsangaben gewohnt - aber zur Überraschung wird dieses diesmal auch eingehalten. Wobei nicht ganz klar ist, ob der Terror-Planet eine Gefahr für die Gesundheit der Darsteller oder den Geisteszustand des Zuschauers darstellen soll...
SOS auf der Erde: Pappbauten brechen zusammen, Menschen in Panik aus - die Erde implodiert!
„Der Planet Erde ist an seinem eigenen Giftmüll erstickt und schließlich explodiert - wie ein riesiger Feuerball, wie ein hilfloses Bündel, das sein Leben beendet, dass dann in sich zusammenfällt!“
Vorher konnte ein Trupp tschechischer Forscher, in Tüchern gekleidet, allerdings noch zwei Space Shuttles zusammenzimmern. Auf einem böhmischen Felde werden sie gestartet. Ihr Ziel: die ungewisse Zukunft, das unbekannte Universum außerhalb der Milchstraße. Irgendwo in den tiefen, dunklen Weiten suchen sie nach einem Ersatzplaneten, den sie ihr Zuhause nennen dürfen, auf dem sie siedeln und leben können, der ihnen Schutz und Sicherheit bietet und den sie gegenbenenfalls genauso herunterwirtschaften können wie Mutter Erde...
Zumindest der letzte Punkt erübrigt sich von alleine. Da sind sie (geschätzte) 2345769382562386 Lichtjahre durch die Galaxis gebrettert und landen auf einem Steinhaufen namens Taron, der nicht einmal WASSER produziert. Jetzt weiß natürlich jeder Student der molekularen Physik (unsere Hauptklientel), dass doch Wasser die Grundvorraussetzung für ALLES Leben ist - somit dürfte der Planet auf dem unsere Erdlinge siedeln überhaupt nicht lebenswert sein. Ja, richtig. Aber mit Wasser in Hülle und Fülle hätte der Film keinen Aufhänger und ohne Aufhänger kein Film. Also dürstet die Kehle der Erdlinge stetig nach dem kühlen Nass, das sie in den letzten 20 Jahren nur synthetisch durch das Mineral Scandium (der große dunkle Brocken) herstellen konnten.
Scandium ist aber nu’ alle. Um keinen zweiten Untergang der Menschheit herbeizuführen, entscheidet sich Bevan, der Oberindianer, seine einzige Tochter, der letzte Mensch der noch auf Erden geboren wurde, an Tarn zu vermählen, einen hinterhältigen Schuft vom Nachbarplaneten, der Scandium in rauhen Massen vorrätig hat. Dieser verspricht sich durch die Zwangsheirat mit einem Menschen zum Herrscher des Universums aufzusteigen. Doch die Menschen erkennen seine hinterhältigen Pläne und raten Bevan ab seine Tochter preiszugeben. Nicht nur, da Tarn durch früheres Verhalten negativ aufgefallen ist (Versklavung von Erdlingen zwecks Abbau seiner Scandium-Minen), sondern da er auch noch Arzar gefangen hält, „einen der letzten großen Zauberer unserer Zeit“. Tarn wittert, das sein Plan nicht aufgehen wird und befragt seinen mächtigen Kirmes-Kristall. Frei nach dem Motto „Spieglein, Spieglein an der Wand“ sagt dieser ihm die Wahrheit (das ihn keiner mag - erst recht nicht die Tochter Bevans). Nun ist unser Hutträger angepisst.
Zhylia, Tochter des Chefs, wird trotzdem mitgenommen und auf Tarns Heimatplaneten verschleppt. Dort soll sie in seiner Liebeshöhle weichgekloppt werden. Nicht bildlich gesprochen. Tarn lässt seinen ganzen Charme spielen - aber Zhylia, die vorher eine Begegnung mit einem jungen Heros namens Ator hatte, träumt lieber von diesem - und so schmeißt er aus Wut ihren Roboter-Pudel gegen die Wand.
Und jetzt wird es richtig wild: Artor, togatragender Held der Geschichte, wurde von den Erdlingen dazu auserkoren Zhylia zu retten (und wohl nebenbei Tarns Terror-Regime zu stürzen). Hierzu wurde er de facto (und wohl auch de jure) von seinem Heimatplaneten entführt (zumindest gegen seinen Willen) und in eine Grotte verschleppt. In dieser (heiligen?) Höhle erklären ihn nun die Weisen der Menschen die Sachlage. Kurz gesagt: er muss die Drecksarbeit erledigen.
Dafür geht’s ab auf einen fremden Planeten - nun sind wir auf corman’schen Fantasy-Niveau angelangt. Als Heros der durchs Gestrüpp rennt, darf ein Sidekick-Buddy nicht fehlen, diesen findet er in Kazir, der bereits seit Jahren in der Wildnis hockt.
„Hier finde ich wirklich alles, was ich brauche. Ich liebe eine gemischte Kost. Fleisch und Früchte - und reichlich Frauenauswahl! Die sind hier sehr ungewöhlich. Sie töten den Mann, nachdem sie mit ihm geschlafen haben. Da staunst du, was? Das ist hier so eine Art Tradition. Ich mach’ es mit den älteren Frauen, die sonst keiner mehr will, verstehst du? Denn sonst wär’ ich natürlich auch schon längst begraben. Ich genieß’ ’ne Sonderstellung.“
Wie Kazmirs Aussage es bereits verraten lässt, sind hier die Frauen etwas ruppiger drauf. Da wir uns aber in einem Forst befinden, wissen wir sofort: das müssen Amazonen sein - komplett im Leder-Bikini, mit Dauerwelle und Knüppel. Somit Kriegerinnen, die im Kampfe gegen Tarn äußerst hilfreich sein könnten...wenn ihr Hüttendorf nicht gleich nach 2 Minuten atomisiert werden würden. Mit dem Befehl „Jetzt rasieren wir den Wald!“ schießen Tarns Truppen mittels gelber Laserstrahlen alles kaputt.
Jetzt sind alle sauer - selbst die Amazonen, die Tarn nicht interessieren. Nachdem Ator zwei böse Schelme niedergeringt hat, schleicht er sich mit seinen neuen Freunden in die Sklaven-Minen Tarns. Sein Ziel: Zhylia retten, Tarn stürzen...
Uuuuffff, tot. Was ich lange Zeit als gnadenlosen Wegschnarch-Film in Erinnerung hatte, stellt sich nun in der Retrospektive als knallharter Trash-Hammer dar, der sich (fast) jedem Genre bediente, dass der abseitgie Spielfilm der 80er Jahre durchwilderte. Ob Science-Fiction oder Fantasy-Trash - hier bekommt man alles geboten, was das Trash-Herz begehrt. Sogar die Apokalypse - wenn auch im Kleinformat. Pappbauten stürzen ein, Vulkanausbrüche werden reingeschnitten, Modellplaneten explodieren - woooooossssshhhhhhhh - die letzten beiden Plastik-Raumschiffe der Erde düsen in ihre vermeintlich blühende Zukunft. Dann geht’s ab in die Pappmachee-Höhlen. Trist, dunkel - es wird ein neuer Untergang der menschheit suggeriert. Und das Auftauchen der ersten Bösewichter soll dies auch bestätigen. Aliens mit menschlichen Antlitz (das allerdings nach und nach vom Gesicht kleckert) tyrannisieren die letzten Erdlinge. Entweder hübsche Dirne zum Heiraten - oder die Wasserleitungen werden abgeklemmt. Kennt man aus unzähligen Endzeit-Knallern. Was man nicht kennt, sind die Klamotten der des Wahnsinns verfallenden Kostümdesigner...
Hier wird richtig tief in die Trickkiste gegriffen. Von alten Lumpen über Sofakissen wird den Statisten alles an den Leib getackert, was nicht niet- und nagelfest ist. Von den Kopfbedeckungen ganz zu schweigen.
Tricktechnisch brauchen wir hier nicht viel erwarten, dennoch bietet „Nexus“ so einige kleine Highlights auf, von denen ich mir aber nicht sicher bin, ob sie denn wirklich nur für dieses Werk produziert wurden. Die Modellbauten, die, die Schinderminen von Tarn darstellen sollen, können wirklich überzeugen und sind mit recht viel Liebe zum Detail entstanden. Solch ein Zeug wäre nur einige Jahre vorher in jedem guten SciFi-Streifen verwendet wurden. Allerdings können diese wenigen tricktechnischen Höhepunkte nicht wirklich ausgekostet werden, da der Drehbuchautor der festen Überzeugung gewesen ist, zirka 4653248956 das Setting zu wechseln. Was als apokalyptistisches Zukunftsdrama beginnt, wird kurz als Endzeit-Actioner weitergeführt, nimmt dann Science-Fiction-Züge an, um als Barbaren-Klopper im Forst das Ende eines Sandalen-Befreiungs-Knaller vor Stahlofen-Kulisse einzuleiten. Puh. Für den Trashfan bedeutet das natürlich die Erlösung, denn die Highlights eines jeden untergegangenen Genres werden abgerast. Gelbe Laserstrahlen, wabbelige Latexmasken, ruckelige Raumschiff-Flüge, finstere Verliese, knappe Leder-Bikinis, weise Magier, theatralische Schergen.
Kurz gesagt: nach Filmende Unterhose gut durchlüften.
Fatality:
„Nexus“ stellt eine nicht zu erwartende Bombe dar. Selbst aus der blassen Erinnerung heraus, hatte ich absolut niedrige Erwartungen. Typischer 90er-Fantasy-SciFi, halt. Zu meiner vollkommenden Überraschung, wurde ich eines besseren belehrt. Der Streifen bringt den Trashfan wirklich an seine Grenzen - jede verdammte Minute taucht irgendeine neue Absurdität auf, die den Zuschauer umhaut. Ob visuell oder auditiv - keine Gnade. Allein die ersten 5 Minuten reichen aus, um es mit einem guten Drittel aller reviewten Filme auf dieser Seite aufzunehmen. Die Reaktion des Begutachters kann man übrigens sehr schön mit einer Soundbeispiel aus dem Streifen beschreiben - der wahrscheinlich bescheuerste Schrei der Filmgeschichte:
Dafür kann - nein, darf! - es nur 5 Schädel geben. Mehr davon! Deshalb in diesem Sinne...
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