Matt Salinger, Ronny Cox, Ned Beatty, Darren McGavin, Michael Nouri, Kim Gillingham, Melinda Dillon, Bill Mumy, Francesca Neri, Carla Cassola, Massimilio Massimi, Wayde Preston
FSK 16
-
27.02.1991
-
-
?
?
-
-
„Ich werde Amerika nicht enttäuschen, Sir.“
- „Gott möge sie segnen, Captain America.“
Für den Inhalt des Reviews ist der jeweilige Autor zuständig. Für Fragen wendet euch bitte an diesen.
1990 strahlte ein übergroßes Helden-Zeichen aus den Vorschau-Kästen der US-amerikanischen Kinos...
Dabei handelte es sich bei dieser Ankündigung um keinen geringeren Superhelden als CAPTAIN AMERICA! Dieser schaffte es in seinem ersten 1990er Ausflug in den USA sogar ins Kino...in Deutschland wurde das Werk sofort in die Regale heimischer Videotheken geschleudert. Aufgelegt von „21st Century Video Corporation“ (wer?). Eine DVD-Veröffentlichung steht bis heute aus, obwohl sich mit geschicktem Marketing sicherlich etwas Zaster aus dem Werk pressen lassen würde. Denk’ ich, als unbeholfener Laie auf dem Gebiet des DVD-Produktions- und Vertriebswesens. Was für ein erbärmliches Dasein dieser Film in Deutschland fristen muss (er existiert prinzipiell gar nicht!), muss ich mich aber schon fragen, bzw. woran denn dieses liegen mag. Okay, der Streifen ist Trash. Das wissen wir alle. Das dieses nicht unbedingt massentauglich ist, steht damit auch außer Frage, aber selbst bei eingefleischten Genre-Fans habe ich schon das ein oder andere Stirnrunzeln begutachtet, nachdem ich auf dieses Werk zu sprechen kam. „Captain America, kenn ich. Der Film? Häh? Da gibt’s ’nen Film?“ - „Ja, Jochen. Da gibt’s ’nen Film zu.“...genaugenommen gab’s dazu schon mehrere Verfilmungen. Ein Kino-Serial aus den 40ern, eine merkwürdige TV-Produktion aus den 70ern (mit Reb Brown als Käpt’n!) und eben der hier vorliegende Krampf von 1990. Aber anscheinend ging dieses alles (wissentlich?) an Jochen und Compagnions vorbei...
Nun, gut. Captain America treibt ja den ein oder anderen Deutschen ein Tränchen ins Auge. In erster Linie, weil er eben das repräsentiert, was für viele Pseudo-Politologen mit Wikipedia-Abschluß für das Übel auf unserer Welt steht: AmeriKKKa. Das aber eben Captain America paradoxerweise das Comic-Gewissen der Nation darstellt und er selber an die reinsten (amerikanischen) Prinzipien, wie Freiheit oder Gerechtigkeit, appeliert und dafür desöfteren auch gegen die US-Regierung UND wie zuletzt gegen sein eigenes Volk (!) zu Felde zieht, ist den meisten Kritikern dabei völlig unbekannt. Sicherlich, sein markiges Auftreten sorgt für Verwirrung, hat er doch „Stars and Stripes“ als Grunddesign für seinen Latex-Umhang, dennoch verwechseln viele dieses oftmals mit (wohl) republikanischen, arroganten, überheblichen Werten, als Markenzeichen einer, ohne Frage, derzeit politisch desorientierten Nation.
Das große „A“ auf der Stirn steht aber eben nicht für „Arschloch“, sondern für „America“ - nicht Bush-Country, auch gar nicht für das Land und sein Volk im eigentlichen Sinne, sondern für die Vorstellung, die Idee, dem Glaube an eine bessere Welt, aufgebaut auf eben den beiden (ur-amerikanischen) Grundprinzipien, Freiheit und Gerechtigkeit, die man wohl niemals für alle Menschen erreichen kann, dafür zu kämpfen, es sich aber lohnt.
In seinem letzten Comic opfert sich Captain America für diese Ideale, für die er eintritt (und eben nicht zwingend für das Land oder den Staatsapparat) und stirbt auf den Stufen des Kongresses. In den Rücken geschossen und von seinem eigenen Volk als Verräter verachtet. Die eigentlichen Comics machen diese Differenzierung zwischen „Hau drauf“- und „Fühl gut“-Patriotismus und dem eigentlichen Einstehen für die Grundprinzipien der Menschenrechte sehr deutlich...irgendwie scheint dieses aber leider IMMER volllkommen unter die Räder zu kommen.
Einen ähnlichen Versuch startete man übrigens auch hierzulande, mit einer Comicfigur namens „Captain Germany“ (auch bekannt als „Hauptmann Deutschland“...wirklich). Dieser war anfangs leicht desorientiert und kämpfte auch gegen Captain America (anscheinend mit Karate-Kicks, siehe Cover), dann jedoch besann er sich auf die freiheitlichen Ideale unserer Verfassung zurück und bekämpfte u.a. Neo-Nazis...doch leider unterlag auch er dem selbstauferlegten deutschem „Bloß nix patriotisches, auch wenn es eigentlich nicht patriotisch ist.“-Fluch, obwohl von der Intention her, diese Figur eigentlich als Beschützer des Guten und Hüter der freiheitlichen Rechte gedacht war. Hier ist übrigens unser Captain Germany...kuckt ein bißchen grimmig...
Mit Captain Germany als Gegner hat vorliegendes Werk allerdings nichts zu tun, dafür des Käpt’ns Erzrivalen Red Skull (aka. Johann Schmidt), ursprünglich deutscher General (es gibt im Comic-Universum insgesamt drei Red Skulls, von denen der Dritte übrigens die Eltern von Peter Parker/Spiderman ermordete), hier nun gebürtiger Italiener und Opfer eines geheimen Gen-Experiments der Nazis (in Kollaboration mit den italienischen Faschisten). Gleiches Experiment wird auch an Steve Rogers durchgeführt, doch leicht verbessert, da er sich danach in Captain America verwandeln wird. Klassische Superheldenkräfte besitzt er nicht, dafür ist sein Körper allerdings bis zum Maximum perfektioniert. Sprich: schneller laufen, höher springen, kräftiger zuschlagen, etc.
Das alles hört sich nun nach einer coolen Grundstory an...allerdings gab man den Film ein recht geringes Budget, worunter er sichtlich gelitten hat. Zwar wurde Albert Pyun, die „Nemesis des Actionfilms“, als Regisseur verpflichtet, denn dieser versteht es unter hohem Zeitdruck und wenigen finanziellen Mitteln zu arbeiten, aber auch er übersah das ein oder andere brutale Plotloch und ließ den Film mit fortschreitender Produktion in dem Sumpf eines B-Actioners versinken. Das Grande Finale des Films findet auf einer mediterranen Burg statt. Ähnelt der Szenerie eines B-Actioners ala „Ninja Force XYZ“ gewaltig. Schade, denn gerade die ersten 10 Minuten des Films versprühen einen kruden Mix aus klassischem 50er-B-Movie und Comicbuch.
Wie bereits erwähnt, ein junger, hochintelligenter Italiener wird von den Faschisten auf einer geheimen Burg zwecks Gen-Experiment entführt. Dort soll er zu einem Super-Soldaten umgewandelt werden.
Bei Mäusen hat es jedenfalls, mit kleinen optischen Nebenwirkungen, geklappt (ja, eine Ähnlichkeit zum sumatrischen Rattenaffen aus „Braindead“ besteht...):
Die Leiterin des Projektes ist über ein Kind als Versuchsperson schockiert und flieht in die USA, wo sie ihre Dienste den Amis anbietet. Diese wiligen ein und sie kann ihre Forschungen nach 7 Jahren perfektionieren. Als Freiwilliger für das erste Experiment wird Steve Rogers ausgewählt, ein drahtiger junger Bursche, der aber den Diesnt für sein Land nicht ausüben kann, da er aufgrund einer Polio-Erkrankung im Kindesalter ausgemustert wurde. So richtig weiß er nicht, was auf ihm wartet, aber hey, wenn Uncle Sam um Hilfe fragt, wird in den patriotischen Kleinstädten Amerikas nicht lange gefackelt.
Unser Steve Rogers ist nun also Captain America - Verfechter und Hüter der Flamme der Freiheit und Gerechtigkeit, doch schon bei seinem ersten Einsatz geht so einiges daneben. Er soll Red Skull (der junge Bursche von vorhin) aufhalten, der eine V2-Rakete direkt ins Weiße Haus krachen lassen will. Doch Red Skull ist stärker und streckt den Käpt’n nieder. Nach kurzer Bewußtlosigkeit findet er sich angenagelt an der Rakete wieder und kann den Start nicht mehr verhindern...
Die Rakete schießt hoch hinaus und fasst ins Ziel, doch der Käpt’n schafft es, einen der Flügel der Rakete zu beschädigen, wodurch diese vom Kurs abkommt und in Alaska einschlägt...ohne zu explodieren, aber mit dem Käpt’n dran. Dieser befindet sich nun in der eisigen Wüste Nord-Amerikas und wird tiefgefroren.
In diesem Zustand bleibt er auch ganze 40 Jahre, bis ein haufen kanadischer Forscher ihn in Nord-Kanada (laut Untertiteln) finden und auftauen (wie kam der denn von Alaska nach Nord-Kanada? Okay, ist gleich um die Ecke...aber ein wandernder Eisblock? Und wo ist eigentlich die Rakete hin? Und wo hat er aufeinmal sein Schild her? Fragen über Fragen...)
Unser Käpt’n ist natürlich sichtlich irritiert und stiefelt erstmal durch halb Nord-Amerika bis er irgendwann im sonnigen Kalifornien (!) ankommt. Dort treibt es ihn zum Haus seiner Freundin Bernice, die natürlich nun schon etwas gealtert ist, zu dem verheiratet und eine erwachsende Tochter hat, mit der, der Käpt’n zusammen die 90er erforscht. Red Skull, gibts übrigens auch noch. Dieser hat nun dank „chirugischer Eingriffe“ ein richiges Gesicht bekommen und hockt irgendwo in Italien auf einer Burg, von wo aus er mit einer Geheimorganisation die Geschicke der Menschheit lenkt. Diese Geheimorganisation, ist, wie alle Geheimorganisationen, natürlich von Grund auf böse und versucht illustre Dinge wie die Weltherrschaft zu erreichen oder illegale Drogengeschäfte in Milliardenhöhe abzuwickeln. Als ob das noch nicht genug wäre, ist sie sogar für die Morde an Robert Kenndedy, John F. Kennedy und Martin Luther King verantwortlich...
Jetzt wollen sie den amtierenden Präsidenten Kibmle ermorden...doch Red Skull hat bei ihrem Jahrestreffen eine „bessere“ Idee:
„Ich möchte vorschlagen, dass wir Kimble nicht liquidieren, sondern unter unseren Einfluss bringen - indem wir ein Gehirn-Implantat verwenden, das ich entwickelt habe! Dann wird er alles tun, was wir wollen.“
Klingt logisch. Deswegen wird Kimble auch alsbald von Red Skull entführt und auf seine Feste (die mediterrane Burg) gebracht. Zwischenzeitlich haben der Käpt’n und Sharon, Bernices Tochter, nach Italien rübergemacht, um dort Nachforschungen über Red Skull anzustellen, doch Sharon wird ebenfalls entführt! Die Entführungs-Szenen erinnern IMMENS an italienische Gangster-Actioner der 70er Jahre, wenn man sich nur mal diese Gauner-Straßensperre anschaut...
Doch der Käpt’n, der sich seinem Schwur besinnt für das Gute einzustehen, kommt dem Präsidenten und Sharon zur Hilfe geeilt!
Was nun kommt, dürfte klar sein. Zuerst kloppt der Käpt’n die merkwürdigen Gigolo-Handlager von Red Skull um, bevor er sich Red Skull persönlich vorknöpft. Doch dieser hat noch ein letztes Ass im Ärmel. In seiner Hand befindet sich eine Mini-Atombombe, die laut seiner Aussage ganz Süd-Europa für mindestens 150 Jahre verseuchen wird („1, 2, 3 - Armed!“)!
Glücklicherweise kann aber der Käpt’n mit seinem Schild umgehen und schleudert es auf Red Skull, der das Gleichgewicht verliert und die Klippen herunterkippt...
Was aus der Atombombe geworden ist, erfährt man nicht...aber es ist egal, denn unser Käpt’n hat die Welt gerettet...und den Präsidenten...und die Tochter seiner Ex...und somit auch den Tag und darf einem neuen Abenteuer entgegenstrahlen!
„Captain America“ ist sicherlich nicht die schlimmste Comicverfilmung auf Gottes Erden, insbesondere wenn man sich andere Verfilmungen davor noch einmal vor Augen führt (ich erinnere an: „Spiderman - Der Spinnen-Mensch“, der gegen fiese Studenten-Kiffer ins Felde zog oder eben „Captain America II - Death too soon“ mit MotoCross-Helm), aber ein Vergleich zu anderen populären Verfilmungen hält der Film natürlich keineswegs stand. Weder optisch, noch inhaltlich. Schade, denn der Streifen hat seine guten (ernsten) Momente und Ideen, die leider nicht konsequent durchgeführt werden. Hierbei wäre nichteinmal zwingend mehr Budget nötig gewesen. Leider schaffte dies Pyun nicht und gab dem Film sogar noch eine völlig merkwürdige Umweltschutz-Note, die mehr an „Captain Planet“ als an „Captain America“ erinnert.
Es ist einfach schade, dass man die vorhandenen Mittel nicht nutze. So haben wir hier letztlich mehr eine Art Rohfassung vorliegen, aus denen man Elemente herausziehen kann, um darauf eine gekonnte Verfilmung aufzubauen. Dies bedeutet natürlich, dass der Trash-Faktor recht hoch ist. Schmunzelgarantie, also.
Bleibt zu hoffen, dass die angekündigte Verfilmung für 2010 dem Charakter endlich mal gerecht wird...für das vorliegende Werk gibt es dennoch 3 anständige Köppe.
Ihr
habt nun die Möglichkeit eure Meinung zum
jeweiligen Film zu schreiben. Bitte beachtet
die Kommentar-Regeln.
•
Für
den Inhalt des Kommentars ist der jeweilige
Autor verantwortlich.
•
Das Posten von Spam-Links
(aller Art)
ist untersagt, ebenfalls jegliche Hinweise
auf links-, rechts- und religös-extreme
Propaganda oder Hinweise auf den illegalen
Zugang zu urheberrechtlich-geschützem
Material. Das Zitieren von anderen Websites
ist nur mit einer Quellenangabe gestattet.
•
VideoRaiders.net
behält sich das Recht vor, Einträge, die
dagegen verstoßen, zu editieren oder
gar kommentarlos zu
löschen.
Ihr möchtet VideoRaiders supporten? Wenn ihr einen Amazon/OFDB-Einkauf plant und über diese Banner zu Amazon oder OFDB geht, dann helft ihr uns einen Teil der monatl. Serverkosten zu stemmen. Vielen Dank im Vorraus!