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Serbian Film, A

Srpski film

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Serbien, 2010

ca. 104 Min.

Srdjan Spasojevic

Srdjan Spasojevic, Aleksandar Radivojevic

Srdjan Todorovic, Sergej Trifunovic, Jelena Gavrilovic, Katarina Zutic, Slobodan Bestic, Ana Sakic, Lena Bogdanovic, Luka Mijatovic, Andjela Nenadovic, Nenad Herakovic, Carni Djeric, Miodrag Krcmarik, Lidija Pletl, Tanja Divnic, Marina Savic

 

 

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„Right hand is the sex center in any man. It’s a direct line between your brain and cock. Ever since your childhood.Your hand is special for it has jerked such a special cock. Milos, it’s an honor to shake a hand to such an artist of fuck.“

 

 

Für den Inhalt des Reviews ist der jeweilige Autor zuständig. Für Fragen wendet euch bitte an diesen.

 
Das Leben eines Pornostars im Ruhestand ist nicht so einfach, wie Milos „the filthy stud“ feststellen muß. Eine Rente gibt es nicht, man lebt von dem Ersparten. Und wenn mal wieder Rechnungen fällig sind, schmilzt das Geld in der DVD-Hülle schneller als der Schnee in der Sonne. Da trifft es sich gut, als sich eines Tages Laylah - Partnerin aus schmierigen Zeiten - bei ihm meldet und ein Angebot unmoralischer Natur unterbreitet: „Something big is about to happen. Aristic pornography of the highest level...for the foreign market. Terribly professional. Phenomenally paid!“ Trotz Bedenken trifft er sich mit Vukmir, dem Regisseur des Projektes, der seine Arbeiten folgendermassen beschreibt: „I’m doing stuff that no one else is. Just for the selected clients. Naked Art. Real people, real situations, real sex...minimal editing.“ Die Bedenken verstärken sich bei Ansicht der enormen Summe, aber die finanzielle Not überdeckt die Sorge.

Milos: „I’m not comfortable with not knowing a thing.“
Vukmir: „Milos, get a grip. You’re a porn actor who wants to know what a porn film is about? It’s a bit absurd. You’re not supposed to know, but only to relax.“
Milos: „That’s too much money to leave anything to accident.“
Vukmir: „Nothing is left to accident. This is a serious organization. My clients know exactly what they want and I know what I’m doing. Don’t worry, everything is already prepared, you just have to appear, be what you are, relax and react as Milos would. Pornography should not be an illusion, but a live transmission of sex.“

Der Dreh beginnt mit Stöpsel im Ohr in einem Waisenhaus, Vukmir gibt Anweisungen, die Kamera fängt jede Regung von Milos Gesicht ein. Erste Irritationen, als Ohrfeigen in das Gesicht einer Minderjährigen landen... aber das Arbeitsgerät funktioniert bestens. Die Feuerprobe ist bestanden. Aber Milos bekommt weiter ein flaues Gefühl in der Magengegend und bittet seinen Bruder Marko - Polizist mit sexuellen Eigenheiten - um Informationen über Vukmir. Nächster Tag, nächste Szene. Die Gewalt steigert sich, Milos unterbricht den Dreh, so kann er nicht arbeiten. Doch, er kann, wie sich herausstellt!

Milos: „I’m not doing this. I’m not beating women in front of kids or cameras.“
Vukmir: „I’m not only an artist but also a professional. I’d never do a thing against one’s will.“
Milos: „You’re doing against mine. I won’t stand any kind of torture.“
Vukmir: „At least your dick enjoyed it, and he never lies.“

Die Informationen über Vukmir werfen auch nur mehr Fragen auf als sie Antworten geben. Ein Kinderpsychologe, der später für die Regierung arbeitete. Und sollte er jemals Filme gedreht haben, so hat sie niemand je gesehen. Milos hat die Schnauze voll. Den ausschlaggebenden Grund zur vorzeitigen Kündigung liefern ihm Halluzinationen und Träume, die ihn zu quälen beginnen. Eine letzte Unterredung mit Vukmir soll Klarheit schaffen....

Vukmir: „Would you believe me if I told you that me and this wonderful family, that you are so anxious to leave are the only warrant of this nation’s survival? We are the backbone of this country’s economy. Only we can prove that this nation is alive and useful for anything.“
Milos: „I can see that you’re insane, I need no proof for that. Just tell me, how does it all connect to pornography?“
Vukmir: „No, Milos, no, no! Not pornography, but life itself! That’s life of a victim. Love, art, blood. Flesh and soul of a victim. Transmitted live to the world who has lost all that and now is paying to watch that from the comfort of an armchair.“

Und als Vukmir die wahre Natur des Opfers zeigt, offenbart sich Milos das volle Ausmaß der Produktion und eine Flucht ist unmöglich. Die Manipulationen zeigen Erfolge, auch die versteckt injizierten Drogen zeigen Wirkung. Durch den Schleier des Rausches kann Milos Realität und Traum nicht mehr auseinanderhalten, er erlebt nicht für möglich gehaltene Steigerungen der Gewalt bis hin zu einem niederschmetternden Finale......

Da ist er also, der Film der bereits in den einschlägigen Foren für reichlich Diskussionstoff sorgt. Bei Cinefacts.de beispielsweise sind schon über 1000 Antworten bei knapp 34.000 Aufrufen zu lesen, bei SB.com 680 Antworten bei etwa 20.000 Seitenklicks. Erstaunlich insofern, weil kaum einer hierzulande bislang diesen Streifen gesehen hat! Und die handvoll Personen aus eingeweihten Kreisen, die doch in den Genuß der Sichtung kamen, schürten die Neugier mit reißerischen Äußerungen, in denen „Knast für die Macher“, „Strafanzeige wegen Kinderpornographie“ und „Verbot nach §184“ die BILD-mäßigen Schlagwörter waren. Die subjektive Einschätzung für mich: maßlose Übertreibung und dennoch haben sie recht, die Rufer aus dem Wald!

Aufhorchen muß man, wenn man sieht, dass der Film bislang noch keinen Verleiher gefunden hat. Nicht einen weltweit! Einzig auf einigen Festivals ist „Srpski film“ zu sehen gewesen und selbst dort auch nur unter Protesten... wobei diese Proteste auch nur auf Hörensagen fußen und zumindest mir keine Beweise vorliegen! Auf Anfrage beim FANTASY-FILMFEST, ob dort „Srpski film“ aufgeführt wird, gab man sich allerdings eher bedeckt. Zu Groß ist die Angst vor Beschlagnahmung und dem daraus resultierenden Vermarktungsgift. Wuhahahahaha.... ok, guter Witz. Denn klar ist auch: der Film in seiner unzensierten Form an sich ist reinstes Gift für jeden halbwegs intelligenten Vertrieb. Bis zur 80. Minute dachte auch ich: hm, joa, mit ein paar Cuts sicherlich auch in Deutschland noch zu zeigen, vom Inhalt geht nichts verloren, da kann man der Story immer noch folgen. Die letzten 15 Minuten zerstörten dann aber diese Illusion, so Over-the-edge ist das Finale! Da prognostizier ich einmal - wenn auch vorschnell -, der Streifen wird nirgends jemals unzensiert das Licht der Welt erblicken. Außer, man schnippselt ordentlich was weg - aber dann ist die Grundessenz, die Aussage verschwunden und der Film nur noch ein Rumpf ohne Gliedmaßen.


Mir persönlich hat sich die Intention des Regisseurs Srdjan Spasojevic nicht erschlossen. Wollte er eine politische Aussage treffen? Vielleicht dem Zuschauer entgegenbrüllen, wie verdorben die Menschheit ist? Oder wollte er einfach nur einen grenzüberschreitenden Thriller in der düsteren Halbwelt der Pornographie drehen? Im letzteren Fall ist es ihm gelungen. Er HAT einen grenzüberschreitenen Thriller gedreht, der in dieser Form Neuland betritt. Der Begriff „Newborn Porn“ wird bestimmt in den Wortschatz der „Hostel“-gestählten Gemeinde einfließen und für weitere, sicherlich nun folgende ähnlich gelagerte Grenzgänger verwendet werden. Die Verbindung von Sex und Gewalt hat hier einen neuen Höhepunkt erreicht, die in dieser drastischen Onscreen-Darstellung bislang einzigartig erscheint.

Oh, wie gerne würde ich „Srpski film“ verteufeln, die Macher verfluchen, den Film in die Tonne kicken. Ich kann es nicht! Denn so brutal, so niederschmetternd die gezeigten Grausamkeiten sind - sie sind für den Film essenziell. Unter dem Gesichtspunkt der Grenzen auslotenden Thrillerform - und so betrachte ich den Film - geht Spasojevic unbeirrbar seinen Weg bis zum konsequenten Ende. Handwerklich erstklassig inszeniert, strömt der Film in jeder Einstellung eine bedrückende Atmosphäre aus. Die beiden guten Hauptdarsteller Srdjan Todorovic (Milos) und Sergej Trifunovic (Vukmir) tragen den Großteil des Filmes, aber wenn Slobodan Bestic (Marko) das Feld betritt, fühlt man sich gleich eine Spur unwohler. Den Löwenanteil zur Funktion des Filmes trägt aber die meisterhafte Kameraarbeit, der Schnitt und die Musikuntermalung bei. Als gelungenes Beispiel sei die Sequenz genannt, in der Milos seine Arbeit antritt. Ahnunglos wird er von einem schweigsamen Kameramann begleitet, die Kamera stets auf Milos Gesicht gerichtet. Im Haus angekommen der zweite Kameramann. Geschickt wird gezeigt, wie subjektive Sicht im Film gedreht werden kann. Und wenn Milos dann in einen Raum geführt wird, völlig irritiert ob der gesehenen Geschehnisse auf zwei Bildschirmen vor ihm ein junges Mädchen ein Eis isst; während vor ihm seine Co-Partnerin die Hose öffnet, mit dem Blowjob beginnt und Milos trotz Unbehagen die Lust nicht mehr unterdrücken kann - dann ist es eine gelungene Darstellung von Manipulation, wie leicht man selber ohne es zu wollen seine eigenen Grenzen überschreitet!

Ich will zum Ende kommen und möchte noch einmal auf den Vorwurf der Kinderpornographie Stellung beziehen. Dieser Vorwurf ist haltlos. Kinder sind bei den Sexszenen nicht anwesend, spielen darin nicht mit oder werden gar zum Sex gezwungen. Vielmehr ist auch in den fraglichen Szenen klar erkennbar, dass mit allen filmischen Mitteln die Illusion erzeugt wird. Die wohl berüchtigste Sequenz des Filmes - ich nenn’ sie mal „Babyszene“ - ist übrigens ein Film im Film, etwa eine Minute lang und klar als Trick erkennbar. Außerdem ist es eine relativ sinnlose Szene, die ohne Auswirkungen zumindest teilweise entfernt werden kann, ohne den Fluß zu unterbrechen! Ansonsten schließe ich mit meiner persönlichen Meinung: der Film ist ohne Zweifel gefährlich, weil er bei ohnehin kranken Zeitgenossen nicht die Wirkung des Schocks erreicht, sondern vermutlich anregend wirken könnte! Sicherlich auch bewußt von Spasojevic so gewollt - denn auch wir, die Zuschauer, sind letztendlich nur die im Film angesprochenen Personen, die gefühlsmäßig abgestumpft sind und für das Leid anderer zahlen.

„That’s it, Milos. That’s the cinema.“

Und hier schließt sich der Kreis, wenn ich aus verschiedenen Quellen zu hören bekomme, dass der Rechteinhaber Contrafilm enorm viel Geld für die Lizenz verlangt - womöglich der einzige Grund, warum noch kein Vertrieb zugegriffen hat!
 

 

 

 

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